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Gedanken zum 2. Advent
...erst eins, dann zwei.....

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Adventsgedanken

Gedanken zum 2. Advent, 6. Dezember 2020

Und er leuchtet doch! - Liebe Mitglieder, mit großer Freude stellen wir fest, dass vor dem Etzhorner Krug ein Weihnachtsbaum und Lichterketten leuchten. Die Kinder und Freunde unseres Mitglieds Reinhard Schielke hat das Pächter-Ehepaar vom Etzhorner Krug, Maribel und Metin Tekce, damit überrascht. Besten Dank, nicht nur viele Etzhorner werden sich daran erfreuen.
 

Ein Beitrag unserer Pastorin Ines Heinke

Liebe Leserinnen und Leser, heute ist der Nikolaustag. Ganz selten fällt der 6. Dezember auf einen Sonntag. Letztes Jahr im Advent ist es mir schon aufgefallen, dass dieses Jahr der 2. Advent der Nikolaustag sein wird. Eine kribbelige Vorfreude hatte mich ergriffen, und sogleich plante ich im Kopf ein schönes Familienfest für den heutigen Sonntag um unsere Ohmsteder Kirche herum. Ein Familiengottesdienst in der Kirche, natürlich wäre der Bischof Nikolaus erschienen, und der Kinderchor hätte gesungen, und anschließend hätte es Bratwurst, Kinderpunsch und Glühwein in unseren Buden um die Kirche herum gegeben. Schön wäre das gewesen! Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ein unsichtbares Virus alle diese Pläne über den Haufen wirft. Jetzt läuft dieser Tag ganz anders ab.
Bestimmt ging es Ihnen in diesem Jahr auch so. Ein Tag, auf den Sie sich im Vorfeld gefreut hatten, verlief ganz anders. Die Konfirmation, der Geburtstag, die Goldene Hochzeit oder einfach ein anderer Tag.
Dieses Coronavirus verändert unsere Pläne, unsere Rituale, und unsere liebgewonnenen Traditionen. Aber manche Traditionen sind uns vielleicht auch gar nicht mehr so lieb und wir tun es einfach nur, weil es schon immer so war. Plötzlich haben wir jetzt auch die Chance etwas anders zu machen, etwas Neues auszuprobieren. So wie Sie nun von Ihrem Bürgerverein jeden Sonntag einen Gruß bekommen.
Den Nikolaustag feiern wir aber trotzdem noch. Und die Kinder haben sich auf diesen Tag genauso gefreut wie in den vergangenen Jahren. Voller Vorfreude, dass dieser Tag doch anders ist als die anderen Tage. Morgens aufzustehen und in die Stiefel zu schauen und dort eine Kleinigkeit zu entdecken, die Freude schenkt. Und diese Kleinigkeit dort in den Schuhen drückt ja so viel mehr aus: da hat sich jemand um mich Gedanken gemacht, da wollte mir jemand eine Freude bereiten, das ist eine liebevolle Geste der Zuneigung. Darum gibt es ja am Nikolaustag auch die kleinen Aufmerksamkeiten, um an die Fürsorge und Zuwendung des Bischofs Nikolaus zu erinnern, um auf seine Barmherzigkeit hinzuweisen.

Freude, Zuneigung und Wertschätzung sich selbst und anderen entgegenzubringen –
das wären doch mal gute Pläne für die Zeit, die vor uns liegt.
Oder wie es in der Jahreslosung für das nächste Jahr 2021 heißt
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)
Amen
Herzliche Grüße und einen schönen 2. Advent!
Ihre Pastorin Ines Heinke

Wichtige aktuelle Ergänzung aus der Kirchengemeinde Ohmstede:
Anmeldung zu den Weihnachtsgottesdiensten – (Aus dem Newsletter der Kirchengemeinde)
Melden Sie sich unbedingt ab 7. Dezember an! Es ist in diesem Jahr wichtig, dass Sie sich zu den Gottesdiensten an Heiligabend und an den beiden Weihnachtstagen anmelden, da die Teilnehmerzahl begrenzt sein wird. Die Kirchengemeinde ist zudem verpflichtet alle Kontaktdaten zu sammeln, ohne dass sich Menschentrauben beim Einlass bilden. Darum wurde ein sog. Ticketsystem im Internet installiert, in dem Sie kostenfrei Zugangskarten erhalten können und außerdem erfahren, für welche Gottesdienste noch Plätze vorhanden sind.“ Näheres sh. Homepage Kirchengemeinde Ohmstede.
https://www.ev-kirchengemeinde-ohmstede.de/
 

Heiligabend 1939 – noch fast wie immer (von Karl Prezek) – „Vor ein paar Tagen haben mein Vater und ich einen Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz in der Stadt Bielitz in Schlesien gekauft, denn Tannen gibt es ja noch. Es muss immer eine Tanne sein – natürlich eine besonders schöne. Da wir keinen Wagen haben, gehen wir zu Fuß in die Stadt, kaufen die Tanne und schleppen sie dann zu uns nach Hause – Alt Bielitz; bei Kälte und tiefem Schnee erscheint mir der etwa einstündige Weg ganz schön lang.
Endlich ist es so weit, es ist Heiligabend – welch eine Freude! Früh um 8 Uhr werden meine Geschwister und ich von meiner Mutter geweckt: „Kommt, es gibt etwas Leckeres zu essen, heute ist ja Weihnachten!“ Es gibt warme Ziegenmilch, selbst gebackenes Weißbrot mit Butter, Pflaumenmus, etwas Wurst und natürlich kleine gebackene Kuchen. All die leckeren Sachen könnten wirklich vom Christkind sein. Gebacken wird bei meiner Großmutter, in einem alten Ofen aus Ziegelsteinen. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell: nachmittags dürfen meine älteren Geschwister – Hilde und Hans – und ich gemeinsam den Tannenbaum schmücken, der Weihnachtsbaum steht wie immer in unserer Stube.
Vor drei Monaten hat der Krieg angefangen, und so gibt es nicht all die schönen Süßigkeiten, die wir sonst zum Schmücken haben; Schokolade gibt es eigentlich so gut wie gar nicht. Alles wird auf Marken zugeteilt. Daher müssen wir kreativ sein. Wir dekorieren den Baum mit Würfelzucker, der als Bonbons in Weihnachtspapier verpackt ist; wir hängen auch mit Puderzucker bestreute selbst gebackene Kekse, rote Äpfel und Walnüsse an den Baum. Wie alle die Jahre vorher hat unser Baum die wundervolle farbige Spitze und Kugeln aus Glas; die gedrehten Kerzen sind rot. Das Schmücken macht sehr viel Spaß.
Um 16 Uhr geht mein Vater mit uns Kindern zu Fuß zum Weihnachtsgottesdienst in die Kirche in Alt-Bielitz. Auch an diesem Heiligabend liegt besonders hoher Schnee. Die reichen Bauern fahren mit Pferden und Schlitten an uns vorbei. Die Pferde sind immer mit Glocken geschmückt, so dass wir sie an ihrem Glockenspiel schon von weitem hören können. Wir Kinder springen auf die Kufen am Ende der Schlitten auf und brauchen so nicht zu laufen.
Während ich mit meinem Vater und meinen Geschwistern beim Gottesdienst bin, bereitet meine Mutter zusammen mit meiner Großmutter das Abendessen vor. Mit dem Ofen in unserer Küche werden auch an diesem Heiligabend leckerer Mohnkuchen, Streuselkuchen und Käsekuchen gebacken und ein Schweinsbraten mit Kartoffeln und Blaukraut zubereitet. Das ist möglich, weil wir selbst Hühner und ein Schwein halten, eigene Kartoffeln haben und auch Rotkohl im Garten angebaut haben.
Als wir gegen 18 Uhr aus der Kirche zurück sind, ist Bescherung angesagt. Die ganze Familie versammelt sich in der warmen weihnachtlichen Stube, und es dauert nicht lange, bis –in alter Tradition– der Weihnachtsmann in einem Fellmantel mit einem Sack, in dem Geschenke für uns sind, aus der Nachbarschaft bei uns eintrifft. Zuerst wird ein Weihnachtslied gesungen, und ich als jüngstes Kind bin natürlich dran mit Gedicht aufsagen.
In diesem Jahr gibt es nur kleine selbst gemachte Geschenke, da es im Krieg ja kaum etwas zu kaufen gibt. Die Freude über das Auspacken und die schönen Geschenke ist trotz sehr groß. Ich bekomme selbst gestrickte warme Strümpfe und natürlich einen Weihnachtsteller mit Äpfeln, Nüssen und Keksen.

Um etwa 19 Uhr gibt es dann das traditionelle Weihnachtsessen bei uns im Wohnzimmer – gar nicht so viel anders als in den Jahren davor; das Weihnachtsessen ist auch in diesem Jahr wieder der Höhepunkt des Heiligenabends. Bei heißem Tee essen wir gemütlicher Stimmung und reden fröhlich viel miteinander. Zwischendurch schaltet mein Vater noch einmal das Radio an, um Neuigkeiten zum Krieg zu erfahren; ich verstehe das, was da gesagt wird, noch nicht wirklich. Dann unterhalten wir uns wieder und freuen uns sehr darüber, ein so schönes Weihnachtsfest gemeinsam mit der ganzen Familie zu erleben – ein so wunderschönes Weihnachtsfest gibt es stimmt nicht wieder! Danke!
24. Dezember 1939 – Karl Prezek, 11 Jahre, Dorfstraße 112, Alt Bielitz (Oberschlesien).

Die Erzählung ist ein wenig lang geworden, doch sie ist so nett geschrieben, da konnte kein Satz gekürzt werden.

Karl Prezek (Jahrgang 1928) ist mit 92 Jahren unser ältestes Mitglied. Er nimmt gerne an unseren Frühstückstreffen sowie an verschiedenen Tagesfahrten teil. Er erzählte, dass es 1939 das letzte gemeinsame Weihnachtsfest war, die Großmutter ist 1940 gestorben. Der Weihnachtsmann hatte aus Strohseil einen Gürtel. Wenn er ins Haus kam, war immer Schnee an den Schuhen. Gerne trank der Weihnachtsmann einen Schnaps, einer reichte jedoch nicht, denn wie er sagte, wollte er nicht humpelt weiterziehen. Im November 2018 hatte Karl am Volkstrauertag im Vereinsheim vom Schützenverein Etzhorn über seine Kriegsgefangenschaft erzählt. Wir sind Karl sehr dankbar, uns als Zeitzeuge die damalige Zeit zu schildern und auch für diesen Beitrag.
Aus Wikipedia eine kurze Info: „Der deutsche Landkreis Bielitz bestand in der Zeit zwischen 1939 und 1945 im von Deutschland besetzten Polen. Er umfasste nach der Annexion 1939 am 1. Januar 1945: 8 nach der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 verwaltete Gemeinden des ehemaligen Polens, darunter die Städte Oswiecim (nun Auschwitz) und Biesko-Biale (nun Bielitz) 110 weitere in Amtsbezirken zusammengefasste Gemeinden. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörten die Landkreise Biała, Bielsko und Wadowice zu Polen, und zwar: Bielsko zur Woiwodschaft Schlesien und Biała und Wadowice zur Wojewodschaft Krakau. Nach der deutschen Besetzung Polens im September 1939, vor der völkerrechtswidrigen Eingliederung in das Deutsche Reich, wurden der Landkreis Bielsko, in Bielitz umbenannt, und der Teil des Landkreises Biala westlich des Flusses Sola (ohne Auschwitz, Kety, Wilkowice; mit Bahnhof Auschwitz) bereits durch einen deutschen Landkommissar gemeinsam verwaltet“.
 

Der Nikolaus – „Der Nikolaustag findet jährlich am 6. Dezember statt. Doch wo hat dieser besondere Tag seinen Ursprung und wer war dieser Nikolaus, der um die kalte Jahreszeit großzügig Geschenke verteilt? Der Nikolaustag verdankt seinen Namen dem heiligen Bischof von Myra, der im dritten Jahrhundert in Lykien (im Südwesten von Antalya, der heutigen Türkei) geboren und mit dem Namen „Nikolaus“ getauft wurde. Der Name entstammt dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Sieg des Volkes". Der Nikolaus: Ein barmherziger Bischof. Nachdem Nikolaus mit 19 Jahren in seiner Heimat zum Priester geweiht wurde, zog es ihn in die Stadt Myra, ebenfalls eine Stadt der heutigen Türkei. Dort wurde er im Jahr 325 n. Chr. zum Bischof geweiht und somit zum Bischof von Myra. Erzählungen zufolge machte der Bischof seinem Namen alle Ehre und handelte stets barmherzig und uneigennützig. So soll er das beträchtliche Vermögen, das er von seinen wohlhabenden Eltern erbte, vollständig an die Armen gespendet haben. Der 6. Dezember gilt gemeinhin als der Todestag des heiligen Nikolaus. Dieser Tag wird in Andenken an seine guten Taten gefeiert. Hierin ist auch der Ursprung des Feiertages zu sehen. Der Heilige Nikolaus als Retter und Geschenkgeber. Um den Bischof von Myra kreisen viele Legenden und Mythen. Von besonderer Bedeutung für die heutige Tradition, den Festtag zu begehen, ist die legendenhafte Geschichte von einem sehr armen Mann: Ihm fehlte das Geld für die Heirat seiner drei Töchter, weshalb er sie in die Prostitution schicken wollte. Als Nikolaus davon erfuhr, warf er Gold in den Kamin der Mädchen. Dieses fand sich in ihren Stiefeln und Socken wieder, die dort zum Trocknen hingen. So rettete er die Mädchen vor ihrem Schicksal. So ist der Brauch und die Tradition an die Legende der drei Jungfrauen angelehnt worden. Der Nikolaus soll seitdem jedes Jahr an seinem Todestag durch den Kamin kommen und Kinder, die brav und artig waren, mit Geschenken bescheren. Dabei legt er die Geschenke in die Stiefel, Schuhe oder Socken, die am Kamin aufgehängt werden. Oft ist er dabei in Begleitung von furchteinflößenden Gehilfen. Während der Nikolaus als der gutherzige Geschenkgeber dargestellt wird, ist die Aufgabe seiner gemeinen Gehilfen, unter anderem Knecht Ruprecht, verzogene und unartige Kinder zu bestrafen“.
 

Ateliers Alte Brennerei morgen geöffnet – am 2. Advent von 14 bis 18 Uhr. Auf dem Programm steht um 15 und 16 Uhr Bläsermusik mit Erika Bergström (Horn) und Johan Olsson (Klarinette) -im Freien- sowie die Sonderausstellung der Kursteilnehmer von Andrey Gradetchliev in seinem Atelier. Es gelten die allgemeinen Corona-Vorschriften und das Hygiene-Konzept der Alten Brennerei.
 

Rezept 2. Advent

Am nächsten Samstag, 12. Dezember, an dieser Stelle: - „Gedanken zum 3. Advent“
mit Beiträgen unserer Pastorin Ines Heinke, Sabine Tewes, Ärztin und Familientherapeutin und Mitorganisatorin unserer Nachbarschaftshilfe „Wir sind Etzhorn – Generation helfen sich“, Wissenswertes über Weihnachtsbräuche sowie Keksrezept Haselnusskekse. Gute Unterhaltung.

Gustav Backhuß-Büsing, Etzhorn, 5. Dezember 2020

 

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